Die Mercedes-Teststrecke
 

Feuchtgebiete, insbesondere Moore, sind Lebensräume, die in den letzten Jahrzehnten einen dramatischen Rückgang einschließlich der dazugehörenden Pflanzen- und Tierarten erlebt haben. Die Moorflächen Niedersachsens sind bis auf wenige Reste zusammengeschrumpft. Diese Reste befinden sich zu überwiegenden Teilen im nördlichem Emsland und den angrenzenden Kreisen.
59 Prozent der in den nährstoffarmen Mooren beheimateten Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. Die Situation für die Säugetiere, Vögel, Schmetterlinge, Kriechtiere und Lurche ist noch schlimmer.
Die Ausgangslage im Raume Papenburg ist im Jahre 1986 für die BSH Anlass gewesen in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen ein Konzept zum Schutze der Hochmoorreste zu entwickeln, den Nationalpark Moor. Dieses Konzept hatte zwei Teile, einmal die Besonderheit und Einzigartigkeit der Moore zu nutzen, um den Fremdenverkehr anzukurbeln, zum zweiten die Moore zu erhalten bzw. neu zu entwickeln. Die Grundideen, die noch durch das Naturparkkonzept von Prof. Buchwald weiterentwickelt und konkretisiert wurden, sind auf dem 3. Emsländischen Naturschutzwochenende der Naturschutzverbände BSH, NaBu und Bund der breiteren Öffentlichkeit vorgestellt worden und sind heute teilweise Grundlage des Moorschutzgebietsystems Papenburg- Oldenburg.
Das Konzept des Naturparks wurde zunächst seitens der Stadt Papenburg und des Landkreises Emsland voll unterstützt, da man sich davon im Bereich des Fremdenverkehrs eine nachhaltige Förderung der wirtschaftlichen Situation mit entsprechender Schaffung von Arbeitsplätzen versprach. Als jedoch die Mercedes-Benz AG Interesse an den Mooren östlich von Papenburg bekundete, schwenkte man aber sofort um und ließ die Naturparkidee fallen. Mercedes versprach ja in der Endphase 300 Arbeitsplätze zu schaffen und die ökologischen Schäden ausgeglichen auszugleichen.
Mit der Teststrecke ist die Chance vertan worden, durch Ökologie und Fremdenverkehr eine nachhaltige unabhängige Wirtschaft aufzubauen, die ebenfalls hunderte von Arbeitsplätzen im Fremdenverkehr (z.B. Ferien auf dem Bauernhof) und Naturschutz (siehe Nationalpark Bayrischer Wald) geschaffen hätte, wie Prof. Buchwald das in seinem Gutachten prognostizierte.
Wie sieht die Arbeitsplatzsituation heute im Jahre 2000 bei der Teststrecke aus? Im Moment scheint sie nicht sehr günstig zu sein und weit von den anfangs in Aussicht gestellten 300 Arbeitsplätzen entfernt, ganz zu schweigen von den vielen Nachfolgeindustrien, die öffentlich prognostiziert wurden.
Auf der ökologischen Seite musste Mercedes dank der beharrlichen Forderungen seitens der Naturschutzverbände, insbesondere auch der Naturschutzgruppe Unterems in der BSH, alle entstandenen Verschlechterungen für die Natur wieder ausgleichen. Nicht ausgeglichen werden kann aber das Potenzial einer 1000 ha großen von keinerlei Straße durchschnittenen Fläche, auf der nun die Teststrecke errichtet wurde. 600 ha waren damals im Moorschutzprogramm Niedersachsen festgelegt und dienten Ende der 90iger Jahre insgesamt 93 Tier- und 14 Pflanzenarten als Lebensraum, die auf der Roten Liste des Landes Niedersachsen aufgeführt sind, sowie 45 Tier- und 11 Pflanzenarten als Lebensraum, die in der Roten Liste der BRD geführt werden; unter anderem seltene Vogelarten wie Goldregenpfeifer südl. Rasse, Brachvogel, Bekassine, Neuntöter, Raubwürger, Schwarz- und Blaukehlchen. Wenn schon während des Torfabbaus das Gebiet als landesweit und teilweise sogar als national bedeutsam eingestuft wurde, wie hätte es sich wohl entwickelt, wenn es nach der Abtorfung im Jahre 2005 ausschließlich für die Natur zur Verfügung gestanden hätte.

Nächste Termine:

19.1.2012 20:00 Uhr
Monatlicher Treff in der
Gaststätte Roskamp
Hauptkanal li. 30

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