Der Haussperling - Vogel des Jahres
Weltbürger, Eroberer und Nachbar
 
(NABU). Der Haussperling ist im wahrsten Sinne ein "Allerweltsvogel". Von den Tropen bis über die Polarkreise hinaus kann man ihm begegnen, an Meeresküsten genauso wie in Großstädten oder auf kleinen Inseln. In den unwirtlichen Wüsten der Erde und den Tropen fehlt der Spatz allerdings.
Vogelexperten gehen davon aus, dass der Haussperling (Passer domesticus) ursprünglich aus den baumarmen Steppengebieten Südost- und Vorderasiens stammt. Die Eroberung anderer Landstriche trat der eher unscheinbare Singvogel vor etwa 10.000 bis 15.000 Jahren im "Windschatten" des Menschen an. Wo sich die Menschen niederließen, um Ackerbau zu treiben, richtete sich auch der Haussperling ein.
Mit Vorliebe baut er sein Nest in Nischen von Hausfassaden oder unter Dächern von Gebäuden. Der Haussperling ernährt sich bevorzugt von Getreidekörnern und Gräsersamen. Dass er sich mit dieser Eigenheit nicht nur Freunde gemacht hat, liegt auf der Hand. Sein schlechter Ruf als Schädling brachte ihm auch Titel wie Korn- oder Speicherdieb ein. Unterstützt wurde der negative Eindruck durch die Tatsache, dass sich die geselligen Haussperlinge zu Sommerschwärmen zusammenschließen, um gemeinsam auf Nahrungssuche zu gehen. Der "freche Geselle" wurde verfolgt und noch während des zweiten Weltkrieges wurden Prämien für erlegte Sperlinge gezahlt. Heute gehören Bilder von Spatzenschwärmen, die in die Kornfelder einfallen, allerdings vielerorts der Vergangenheit an. Bei den modernen Dreschmethoden fällt immer weniger für den Körnerfresser ab.
Wie bei vielen anderen Arten bremsten auch in diesem Fall die Segnungen unserer Zivilisation den sonst so erfolgreichen Spatzen. Zwar ernährt sich der Haussperling in der Hauptsache vegetarisch, seine Jungen aber füttert er in den ersten Tagen mit Insekten und anderen Kleintieren. Der Einsatz von Pestiziden und artenarme oder mit exotischen Pflanzen bestückte Gärten führen zu Nahrungsengpässen und wirken sich negativ auf den Bestand des Haussperlings aus.
Ein weiteres Image, das des Dreckspatzen, geht auf eine charakteristische Verhaltensweise des Haussperlings zurück. Der "Allerweltsvogel" nimmt nämlich Staubbäder, um sich gegen lästige Federparasiten zu schützen. Das für manchen unverständliche Verhalten hat also einen durchaus vernünftigen Hintergrund. Doch auch in dieser Hinsicht hat der Spatz das Nachsehen, denn der Mensch befestigt, versiegelt und nutzt jede Freifläche und sorgt selbst hier mancherorts für Engpässe.
Zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurde noch von Massenvorkommen berichtet. Während man den Haussperling in Deutschland noch bis in die 50er Jahre verfolgte, beobachten Fachleute seit einigen Jahren einen deutlichen Rückgang der Bestände. Ein Beispiel für die Veränderungen belegen Erhebungen aus Hamburg. Im Stadtteil St. Georg ging die Zahl der Haussperlinge zwischen 1983 und 1987 von 490 auf 80 Vögel pro Quadratkilometer zurück. In Hamburg-Rissen halbierte sich der Bestand zwischen 1991 und 1997 von 32 auf 15 Vögel pro Quadratkilometer. Auch aus London berichten Ornithologen von einem Rückgang. Während 1975 im etwas über einen Quadratkilometer großen Kensington Gardens noch 486 Haussperlinge brüteten, sank diese Zahl im Jahr 1995 auf nur noch 72 Vögel.
Doch die Situation hängt sehr stark von den lokalen Bedingungen ab. In Berlin ermittelten Ornithologen den Bestand an Haussperlingen in der vergangenen Brutperiode auf verschiedenen Probeflächen der Großstadt. Vorläufiges Ergebnis: Der Haussperling konnte auf allen Probeflächen nachgewiesen werden. In den Altbaubezirken lebten deutlich mehr Haussperlinge als in Vierteln mit Einfamilienhäusern. In einer ersten Hochrechnung wurde der Bestand für Berlin auf 170.000 Tiere geschätzt. Das liegt deutlich über den Schätzbestand von 29.000 Brutpaaren für Hamburg. Die im westlichen Deutschland festgestellten erheblichen Rückgänge zeichnen sich in Berlin erst lokal vor allem in Sanierungsgebieten ab, wo Renovierungsarbeiten an Gebäuden Brutnischen vernichteten und Nahrungsgebiete wie so genannte Ruderalflächen verloren gingen.

Nächste Termine:

19.1.2012 20:00 Uhr
Monatlicher Treff in der
Gaststätte Roskamp
Hauptkanal li. 30

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