Krötenwanderung in Papenburg
 
Wenn im März/April die Temperaturen steigen, Tümpel, Seen und Teiche eisfrei werden, dann ist für viele Amphibien Hoch-Zeit. Die hierzulande am meisten verbreitete Amphibienart ist die Erdkröte, lateinisch Bufo bufo. Sie verlässt jetzt ihr Winterquartier und wandert bis zu drei Kilometer zu ihrem Laichgewässer. Im Verlauf der Dämmerung steuert sie exakt auf den Ort zu, an dem sie selbst geboren wurde. Dabei bedient sie sich ihrer hochkomplizierten Sinnesorgane, die den Biologen noch so manches Rätsel aufgeben. Man weiß bisher soviel: Erdmagnetismus, Akustik, Optik und Geruchssinn erleichtern den Tieren die Orientierung, zusätzlich sollen sie sich nach den Gestirnen richten können.
Bereits vor dem Erreichen ihrer Laichgewässer treffen sich Männchen und Weibchen. Als besonderer beliebter Treffpunkt gilt der Straßenasphalt, der die Tageswärme bis weit in die Nacht hinein speichert. Da es sich bei Kröten um wechselwarme Tiere handelt, deren Körperwärme sich nach der Umgebung richtet, werden sie hier richtig aktiv. Wenn es an einen warmen Frühlingstag zudem noch zu regnen beginnt und die Straße feuchtglitschig wird, fühlen sie sich besonders in ihrem Element.
Jetzt wählen die Männchen ihre Partnerinnen aus. Dabei lassen sie sich von den Weibchen "huckepack" tragen. Aufgrund des hohen "Männerüberschusses" bei Erdkröten sichern sich die Männchen ihre "Damen" so schnell wie möglich. Hat ein Männchen ein Weibchen erspäht, geht alles blitzschnell: es springt auf den Rücken des Weibchens, stemmt seine Oberbeine unter dessen Achseln und umklammert es somit. Da es von paarungswilligen Männchen oft nur so wimmelt, entbrennen nicht selten heftige Kämpfe. Es kommt vor, dass die wesentlich größeren Weibchen mehrere Männchen auf ihren Rücken schleppen müssen. Solche Szenen spielen sich meistens schon vor dem Laichgewässer auf der Straße oder im Bereich unmittelbar daneben ab.
Nähert sich eine Gefahr, bleiben die Tiere starr auf der Straße sitzen und werden, da sie leicht zu übersehen sind, von den Rädern der Fahrzeuge überrollt. Das Risiko, überfahren zu werden, erhöht sich für manche von ihnen dadurch, dass sie während ihrer Wanderung mehrmals die Richtung wechseln.
Auch in einigen Bereichen unseres Stadtgebietes finden leider alljährlich viele Tiere den Tod durch den Straßenverkehr. Besonders große Vorkommen der Erdkröte gibt es im Gebiet des Ems-Seitenkanals und der angrenzenden Areale (Tunxdorfer Torfweg, Bülte, Pöhle u. a.).
Einen besonders neuralgischen Punkt, der immer wieder Probleme aufwirft, stellt die Straßenführung über zwei Kanalstücke hinweg zwischen der "Gesprengten Brücke" und "Eikens Kuhle" an der Falkenstiege dar. Hier ist die BSH in Kooperation mit der Stadt Papenburg seit 1987 bemüht, mit Hilfe von nächtlichen Absperrungen und durch Aufsammeln der Tiere einen aktiven Beitrag zur Erhaltung der Krötenpopulationen zu leisten. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erwähnen, dass Papenburger Bürger bereits vor 1987 bestimmte Krötenwanderwege gemeldet haben. Als sehr positiv muss auch die gute Zusammenarbeit mit den verschiedenen Stellen bei der Stadt Papenburg hervorgehoben werden.
Mobile Absperrbaken, so hat die Erfahrung gezeigt, bieten den Tieren jedoch keinen wirklichen Schutz. So wurden die Absperrungen in den vergangenen Jahren immer wieder durch rücksichtslose Zeitgenossen an die Seite befördert, verschleppt oder zerstört. Aufgrund dieser Problematik hat man vonseiten der BSH schon vor Jahren Überlegungen dahingehend angestellt, den Tieren durch Untertunnelung der Straße und durch Leitzäune ein sicheres Wechseln der Seiten zu ermöglichen. Hierzu gab es seinerzeit intensive Gespräche mit Vertretern der Stadtverwaltung. Der Bau einer solchen Anlage erwies sich aus Kostengründen jedoch als nicht durchführbar. So muss der Schutz der wandernden Kröten weiterhin durch Absperrungen und das Aufsammeln der Tiere gesichert werden.
Bei Sperrungen der Straßen müssen die Zeitpunkte der Wanderungen im Vorfeld genau beobachtet werden. Erst dann können die Absperrbaken vom Bauhof geordert werden. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass eine Sperrung in ca. 10-14 Nächten zwischen 19/20 Uhr abends und 7 Uhr morgens in der Regel ausreicht. Die besagten Nächte sind allerdings schwer vorhersehbar und reihen sich nicht kontinuierlich aneinander. Um einen größtmöglichen Schutz der Amphibien zu gewährleisten muss es eine Sperrmöglichkeit im Zeitraum vom 01.03. bis zum 15.04. geben. Hierbei ist die Rückwanderung der Tiere in ihre Sommerquartiere allerdings unberücksichtigt.
In Zukunft möchte die BSH weitere Untersuchungen und Beobachtungen zu den Wanderbewegungen der Erdkröten vornehmen, um Schutzmaßnahmen noch effektiver durchführen zu können. Dabei hofft sie auf die Mithilfe der Bevölkerung und auf Rücksichtnahme durch die Verkehrsteilnehmer.

Nächste Termine:

19.1.2012 20:00 Uhr
Monatlicher Treff in der
Gaststätte Roskamp
Hauptkanal li. 30

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